Die Rohnmühle und Wetz (1999)

Der Surseer Künstler Wetz ist um verblüffende und effektvolle Präsentationen seiner Arbeiten nie verlegen. Nachdem er 1996 mit einer Ausstellung im Naturmuseum Luzern und 1998 mit der Gestaltung der Garderoben für die Eishockey-Weltmeisterschaft beim Zürcher Hallenstadion Schlagzeilen gemacht hatte, nahm er im Mai 1999 im Museum und auf dem Bauernhof Ronmühle in Schötz künstlerische Eingriffe vor.
Die Vorgeschichte der Ausstellung «Die Ronmühle und Wetz» begann vor über fünf Jahren, als Wetz vom Ronmühlebauer Hanspeter Hunkeler eingeladen wurde, von einem der initiativsten und innovativsten Landwirte, der überdies selber als Kunstmaler tätig ist. «Das in direkter Nachbarschaft zum Hof stehende Museum Ronmühle hat es mir von Anfang an angetan, denn ich halte es für eines der spannendsten Museen, die es gibt. Daher wollte ich es unbedingt in dieses Projekt einbeziehen», erklärte der Surseer Künstler auf einem Rundgang.

«Dürrer Frosch auf Dürer-Hase»

«Spiritus rector» des Museums in der just 400-jährigen Ronmühle ist der pensionierte Posthalter Paul Würsch, der es weniger als ein den gängigen Vorstellungen entsprechendes Heimatmuseum versteht, sondern vielmehr als «Asyl für kulturelles Strandgut». Den jährlich immerhin rund 10’000 Besuchern offenbart sich denn auch in 20 Zimmern ein gewaltiges, von Würsch zusammengetragenes Sammelsurium von 7500 Objekten, die auf eine Art und Weise, wie es Bücher kaum zu tun imstande sind, einen Eindruck von der Vergangenheit vermittelt (vgl. Heimatkunde des Wiggertals, Band 56, 1998, Seiten 182-197).
In diesen Räumen also nahm Wetz künstlerische Eingriffe vor – wohlwissend, dass der Respekt gegenüber den Relikten aus früheren Tagen nur subtile Eingriffe zulässt, wie der Künstler betonte. So befand sich in jedem Zimmer ein Sockel mit “Strandgut aus dem Wetz’schen Atelier”, das in witziger Form auf die historischen Gegenstände Bezug nahm. Ein «schönes Bild, leider auf der falschen Seite gemalt» oder einen geteilten Halbschuh gab es da etwa zu entdecken. Oder eine mittels eines Messers zur «gefährlichen Falle» mutierte Türfalle im Waffenzimmer. Oder einen «dürren» Frosch, der sich wohl eines Tages ins Wetz-Atelier verirrt hat, dort vermutlich verhungert ist und während der Ausstellung im Raum mit den Heiligtümern auf dem Dürer-Hasen, einem Heiligtum der Kunst, lag.

Kunst auf der «leer gefressenen» Heubühne

Die meisten Werke zeigte Wetz allerdings auf Hanspeter Hunkelers Bauernhof. Dies ist kein Zufall, denn die Landwirtschaft stand dem Künstler schon immer nahe. ´Es war mir ein Anliegen, keine künstlichen Eingriffe zu machen, sondern mit dem zu arbeiten, was ohnehin schon da ist”, so Wetz. Folgerichtig suchte man sein berühmtestes Werk, die ausgestopfte Kuh «Lotti», sowie die ebensolchen Schafe und Hühner vergebens. Dafür gab es im Stall – derweil sich die echten Kühe auf der Weide tummelten – auf Bildschirmen gewissermassen virtuelle Wiederkäuer zu sehen. ´Viele Stadtmenschen kennen Kühe ja eh nur noch vom Fernsehen”, meinte der Künstler dazu. Wichtig war ihm auch, die Ästhetik einer Holzbeige oder des Miststockes bewusst zu machen.
Ansonsten jedoch sollte sich der Betrachter zu den Eingriffen seine eigenen Gedanken machen können. Gedanken zum «Heuschrecken-Sockel» im Keller etwa, der im Verbund mit einer akustischen Szene aus einem Miss-Marple-Krimi das Unheimliche dieses Ortes erleben liess. Die «leergefressene» Heubühne bestückte Wetz unter anderem mit kleinen, geschnitzten Möbeln und Holzkugeln, die zu den Klängen von Antonio Vivaldis ´Vier Jahreszeiten” «etwas ins Rollen bringen» sollten. «Der Reiz dieser Ausstellung liegt darin, die alltägliche Umgebung durch einen Künstler gestaltet neu zu erfahren, sowie die unterschiedlichen Welten der Landwirtschaft und der Kunst einem breiten Publikum zu vermitteln», fasste Hanspeter Hunkeler zusammen. Er selber zeigte einige seiner Werke in seinem Sommeratelier in einem Spycher, der Bestandteil des Rundganges war, sowie im Museumskeller, wo die neu gegründete Kulturland 21 GmbH anlässlich der Vernissage eine Beiz betrieb.

Die Kulturland 21 GmbH fungierte als Veranstalterin

Die Kulturland 21 GmbH fungierte auch als Veranstalterin dieser nicht alltäglichen Ausstellung, welche ihr erstes Projekt war und ihrer Intention, die Landwirtschaft vermehrt dienstleistungsorientiert und ganzheitlich zu verstehen, nachhaltig zu fördern und an Synergien teilhaben zu lassen, voll und ganz entsprach. Ein Konzept, das seine Wirkung nicht verfehlte, wie der nicht enden wollende Strom der Besucherinnen und Besucher bewies – das vielfältige Publikum reichte vom Bauern bis zum Zahnarzt. Wetz zeigte sich einerseits hocherfreut über den regen Zuspruch, aber andererseits war es ihm dabei doch nicht ganz wohl. «Es ist nicht gut für eine Ausstellung, wenn sie fast zu stark besucht wird», meinte er mit Blick auf das Gedränge, das zeitweise herrschte.
Wie dem auch sei. Gelegenheit zu Begegnungen aller Art bot der Anlass jedenfalls genügend….

(Text leicht gekürzt)

(Pressebericht von: Daniel Zumbühl, Sursee / Foto: Hermann Bühler, Malters)

Ronmuehle