Niccel Steinberger

1965, lacht in Basel

Schon mit 15 Jahren war Niccel – damals noch Nicole Kristuf – klar, sie will Clown werden. Dieser Wunsch ging zwar nicht in Erfüllung, aber die Clown-Idee hat sich bei ihr eingenistet und ihr seither die Wege gewiesen, zum Lachen, zum Humor, zu Emil … und auch zur Kunst.

1993 schloss Niccel ihr Studium der «Interkulturellen Germanistik» in Bayreuth mit einer Magisterarbeit über «Das Lachen und Weinen des Clowns» in Bezug auf Heinrich Bölls Ansichten eines Clowns ab. Gleich anschliessend setzte sie das Erarbeitete in eigenen LachsemiNarren um, die sie auch heute noch veranstaltet.

1995 feierte sie ihren 30. Geburtstag in New York und fiel in die Arme des Schweizer Kabarettisten Emil, der sie nicht mehr losliess und 1999 heirateten sie in New York. Sie begannen Bücher zu schreiben und zogen bald in die Schweiz nach Montreux, wo sie 15 Jahre wirkten.

Ein Verlag, die Edition E, wurde gegründet, Emils Auftritte und Niccels LachseminNarre organisiert. Mit dem gemeinsamen Zeichnen von «Wochenblättern», die in Deutschland und der Schweiz ausgestellt wurden, verstärkte sich bei Niccel wieder die Lust am Kreativen, das bei ihr schon im Kindesalter stark ausgeprägt war.

2014 zogen die beiden nach Basel, wo Niccel sich noch intensiver der bildenden Kunst zuwandte. Emil bemerkte schon vor 30 Jahren begeistert, dass ein einfacher Strich bei Niccel immer dreidimensional wirke. Heute arbeitet sie frech mit Pinsel, Stift und Schere, fotografiert, collagiert und macht weit auf, saugt auf, vergisst sich im Kreieren und bleibt dabei bewusst immer verspielt und setzt humoristische Akzente. Den BetrachterInnen ihrer Werke ein Lächeln zu entlocken ist für sie Teil ihrer Kunst.

In Ihrer Serie «Selfies», einer schwungvollen Art von teils blind oder in einem Strich gefertigten Zeichnungen, spielt sie mit ihrem Selbstbild, erkundet sich selbst ungeschönt und irritiert die Aussenwelt, die ganz andere Bilder von ihr abgespeichert hat. Mit Freude zeigt sie sich hier mal von einer ganz anderen, weniger bekannten Seite. 2019 waren die ersten Selfies von Niccel in ihrer Ausstellung «SpielArt» zu sehen.

Text von Rainer Kristuf über Niccels «Selfies» – 2020
Niccel Steinberger, Alter unwichtig, Autorin, Lachtrainerin, Künstlerin, Verlegerin. In der Tradition grosser Meister*innen hat Niccel sich an ein Thema gewagt, das jedem Künstler, jeder Künstlerin einmal während des Schaffensprozesses begegnen wird, das Selbstportrait. Die Selbstansicht. Der Blick auf das eigene Ich.
Bei Niccel heisst das: SELFIE.
Wir kennen es alle, das Selfie. Jeder hat es schon mehrfach von sich gemacht. Jeder liebt es. Tausendfach begegnen uns die Selfies heute überall.
Das Eigenportrait scheint die neue Visitenkarte unseres Lebens geworden zu sein. Das eigene Gesicht in Korrespondenz mit Kaffeetassen, Katzen oder auch dem Taj Mahal. Unser Gesicht, unser Ich wird durch die zweitrangige Umgebung gewertet, aufgewertet. Es dient der Kommunikation, des Sich-ein-Bild-Machens vom Gegenüber, oder diesem Gegenüber Ein-Bild-Gebens.
Die Reihe SELFIES von Niccel widmet sich diesem Thema durch einfache Striche auf weissem Papier, ganz ohne Umgebung und Firlefanz, ohne Schnörkel und Ablenkung. Teils blind gezeichnet, in einem Strich oder mit der linken Hand, geht es bei ihren Selfies nicht darum, sich geschönt zu zeigen oder im besten Licht. Selfie für Selfie erkundet sie sich selbst, betrachtet sich aus einer anderen Optik, die für den Betrachter irritierend sein kann und soll, der vielleicht bereits ein vorgefertigtes Bild von der «lachenden Niccel und Ehefrau von Emil» hat.
Jedes Selfie reduziert ihr Ich auf eine einzige Bewegung, auf einen schnellen Strich, auf ein starkes Gefühl, auf einen nicht duplizierbaren Moment.
Definieren wir Niccels SELFIES so:
S wie Selbstansicht
E wie eigenartig
L wie Linie
F wie Fineliner
I wie irritierend
E wie einzigartig
Geniessen Sie diesen Raum mit den vielen Momenten der Niccel Steinberger.

Weitere Infos findet man auf Niccels Webseite www.niccel.ch und auf www.edition-e.ch