Urs Hug

1950, Langenthal

Der in Suhr geborene Künstler und Grafiker bespielt permanent mit seinen Installationen, Zeichnungen, Fotoarbeiten, Videos und literarischen Texten das Haus Urshug in Langenthal. Dabei hinterfragt er traditionelle Medien und Methoden, hebt deren Grenzen auf und sie werden zum Ausgangspunkt seiner Kunst.

«Ver-rückt oder die offenbaren Geheimnisse» 2018

Was Gestalt annimmt, wird offenbar. Was offenbar ist, bekommt eine Bedeutung. Was eine Bedeutung bekommt, kann wieder ver-rückt und Ausgangspunkt für eine nächste Offenbarung werden. Damit spielt der Langenthaler Künstler Urs Hug. Ist nicht die Wirklichkeit ein permanent sich veränderndes Puzzle aus Atomen und Molekülen? Hug macht nichts anderes, wenn er Gegenstände aus dem Alltag nimmt und sie neu zusammensetzt: Indem er Gegenstände entdeckt und auswählt, demontiert und kombiniert, erweckt er sie zum Leben, stellt sie in einen Kontext, lässt sie wirken und interagieren. So lässt er Wirklichkeiten aufblitzen.

In seinem eigenen Künstlerhaus in Langenthal ist Urs Hug mit seinen Ideen, Malereien, Objekten und Plastiken permanent am Gestalten und Verändern. Für seine neue Installation im KKLB hat er mit der KKLB-Kuratorin Monika Steiger zusammengearbeitet. Die Kuratorin hat mit dem Künstler aus dessen grossem Fundus die Objekte ausgewählt und das Erarbeiten der Konzeption unterstützt. Urs Hug hat vier Kojen gestaltet. Vier Ausbuchtungen des Seins, vier Sarkophage der Demut, vier offene Wandschränke voller Geheimnis. Jede Koje ist ein Bild. Man könnte darin auch die ver-rückte und Skulptur gewordene Ikonografie von modernen Tarotkarten und ihre archteypische Wesenheiten erblicken. Macht, Spiel, Liebe, Transformation. Oder: Der Herrscher, der Narr, die Liebenden, das Schicksalsrad.

Die Objekte sind so handfest wie bizarr. Da baumelt eine Skulptur aus zusammengenähten Pneus wie eine gemetzgete Sau-Hälfte am Haken: Zerplatzte Autoreifen, die Hug auf Autobahnen eingesammelt hat. In einer nächsten Koje klebt ein farbbekleckster Stuhl auf einer Staffelei. In einer weiteren Koje steht über ein paar Treppenstufen ein antiker Sessel auf rotem Filzteppich, darüber die Krone des imaginären Herrschers, eine Kombination aus Radfelge und zwei Tierhörnern. In der lichtesten der vier Kojen steht eine Büste auf einem Waschtisch mit Rädchen. Im Innern der Büste hängt ein büstenförmiges Parfumfläschchen. Der Schattenwurf der doppelten Büste tanzt wie das Plasma der Transzendenz auf der Rückwand.

Die vier Installationen zeigen die kraftvolle Handschrift eines Machers und die zarten Phantasien eines Spielers. So grobstofflich die Objekte sind, so fein schwingen die möglichen Bedeutungsebenen im Raum mit. Hugs Kojen verschliessen sich eindeutigen Zuordnungen. Vielmehr setzen sie Assoziationen in Gang und erzählen Geschichten. So werden sie auch zu Wirklichkeitsmaschinen.

(Text: Pirmin Bossart)

Weitere Infos und Arbeiten von Urs Hug findet man unter Haus Urshug auf der Homepage von: www.parterre-langenthal.ch