Über «Kunst im Spital»

Ein Interview

Pius Jenni: Stv. Leiter Technik, Bau und Sicherheit (TBS) vom Luzerner Kantonsspital Luzern

Wetz: Künstler und Leiter KKLB-Gesamtkunstwerk

Silas Kreienbühl: Künstler und KKLB-Direktor

Wetz:

Pius Jenni hat uns angefragt, ob wir als erfolgreiches Kunst- und Kulturinstitut in der Lage wären, im Luzerner Kantonsspital (LUKS) für die Kunst als Förderung der allgemeinen Ästhetik in den öffentlichen Räumen eine Mitverantwortung zu übernehmen.

Pius Jenni:

Ja, es ging mir darum, das Spital einer neuen, heute immer üblicheren Ästhetik anzupassen. Die Privatspitäler haben schon länger entdeckt, dass dieser Aspekt vom Einbezug der Kunst immer wichtiger wird. Es besteht in der Zukunft immer mehr eine Konkurrenz zu den Privatspitälern. Und da müssen wir das LUKS in allen Bereichen fit halten. Der international bekannte und erfolgsverwöhnte Künstler Wetz kann da zusammen mit seinem KKLB-Team sicher einen sehr positiven Beitrag leisten.

Wetz:

Das Spital muss in erster Linie eine gute medizinische und pflegerische Leistung vollbringen. Die Architekten müssen für diesen Zweck praktische und möglichst schöne Räume schaffen. Und die Kunst kommt erst zuletzt als quasi unnötige Ergänzung dazu. Die beste Kunst kann ein Spital nicht bereichern, wenn die medizinische und pflegerische Leistung nicht stimmt. Die Kunst im Spital bleibt also immer etwas Sinnloses. Das Sinnlose hat aber in unserem Leben immer auch einen wichtigen Platz. Sonst könnten wir beispielsweise vom Nährwert her bei einem Essen oft auf das Dessert verzichten. Wichtig ist mir dabei, unser ganzes KKLB-Team unter der Leitung von unserem Direktor Silas Kreienbühl mit all unseren Künstlern und Mitarbeitern in das Projekt miteinzubeziehen.

Silas Kreienbühl:

Unser Projekt ist etwas Neuartiges. Bis heute ist uns kein gleichartiges Projekt bekannt. Daher müssen wir nun laufend Erfahrungen sammeln. Die Kunst, die wir im Spital zeigen, bleibt im Besitz der Kunstschaffenden. Es werden also keine teuren Anschaffungen getätigt. Unser Projekt bleibt dadurch auch finanziell sehr schlank. Die Arbeiten der Kunstschaffenden werden von unserem KKLB-Team ausgewählt, betreut und vermittelt.

Pius Jenni:

Was geschieht, wenn sich eine Abteilung gegen die von euch aufgehängte Kunst auflehnt und sie weder interessant noch schön findet?

Wetz:

Dann versuchen wir der Abteilung die Arbeiten positiv zu vermitteln. Sollte das gar nicht gelingen, so hängen wir die Arbeiten nach etwa 6 Monaten wieder ab und probieren mit dem nächsten Kunstschaffenden zu überzeugen.

Silas Kreienbühl:

Ein Bedürfnis von uns ist es, mit dem jeweiligen Pflege- und Ärzteteam in Kontakt zu treten. Wir freuen uns auf die Begegnungen. Das KKLB-Team ist in der Kunstvermittlung bestens ausgebildet. Wir vermitteln in Beromünster die Kunst bei unseren sehr zahlreichen Führungen mit über sechzehn Leuten in zehn verschiedenen Sprachen.

Pius Jenni:

Anfänglich habt ihr bei mir eher abgewinkt…

Wetz:

Es gibt bei uns in den letzten Jahren immer viel zu viele Anfragen. Wir können leider nur einen kleinen Teil davon annehmen. Wenn wir aber mit diesem Projekt nur etwas Kleines gegen eine Zweiklassen-Medizin beitragen können, interessiert das mich sehr. Und übrigens: Als ich damals mein Praktikum als Psychiatriepfleger im LUKS gemacht habe, war die Stimmung auf dieser chirurgischen Abteilung wunderbar. Ich hoffe, dies ist überall so.

Silas Kreienbühl:

Bei unseren projektbezogenen Besuchen war es bis heute auf jeden Fall auch so. Wir sind schon da und dort sehr positiv empfangen worden. Ich hoffe, das geht so weiter.

Pius Jenni:

Und wie geht es nun terminlich vorwärts? Wann können wir auf allen Abteilungen euren Beitrag erwarten?

Wetz:

Wir rechnen mit 2-3 Jahren. Das Projekt steckt allerdings noch in den Kinderschuhen und wir sind dabei Erfahrungen zu sammeln. Ausserdem hat das Projekt bereits viel grössere Dimensionen angenommen als ursprünglich geplant. Neben dem Bettenhochhaus sind diverse weitere Häuser dazugekommen. Grundsätzlich besteht die Idee unseres Projektes darin, eine gezeigte Ausstellung nach ca. 2 Jahren durch neue Arbeiten zu ersetzen. So bleibt «Kunst im Spital» genauso lebendig und dynamisch wie das Kantonsspital selber.

Pius Jenni:

Im Spital hängen heute teilweise Bilder von der kantonalen Sammlung. Werden diese auch in euer Projekt miteinbezogen?

Silas Kreienbühl:

Ja, wir werden jeweils prüfen, welche Bilder wo und warum hängen bleiben – oder von uns besser aufgehängt werden. Dabei spielt es immer auch eine wichtige Rolle, was die jeweilige Abteilung will.

Pius Jenni:

Im ganzen Spital gibt es heute immer wieder der Jahreszeit angepasste Dekorationen. Gibt dies nicht eine unerwünschte Konkurrenz zu eurer Arbeit?

Wetz:

Ja, das kann natürlich schon Konflikte geben. Aber wir werden vor Ort sein und uns nicht diktatorisch verhalten. Mit allerlei Bedürfnissen von der Abteilung her werden wir uns gerne befassen. Auch die Teamvorstellungen entsprechen nicht immer einer professionellen Qualität. Auch da werden wir mithelfen, diese Ästhetik näher an die hervorragende pflegerische und medizinische Professionalität heranzuführen.

Pius Jenni:

Sind die Kunstwerke auch verkäuflich?

Silas Kreienbühl:

Ja, viele Werke haben einen Verkaufspreis. Um eine Arbeit zu kaufen, kann man mit uns in Kontakt treten, oder die Abteilung tritt mit uns in Kontakt. Die Informationen findet man auf den Postkarten, die wir immer auch in das Konzept mit einbeziehen. Die Kunstschaffenden erhalten 80% vom Verkaufspreis, 10% gehen an die Verkaufsabwicklung / Lieferung und 10% gehen an die Förderung des Projekts «Kunst im Spital».

Pius Jenni:

Was passiert, wenn eine Arbeit beschädigt oder gestohlen wird? Oder die Bilder unsauber hängen?

Wetz:

Ein Diebstahl wird natürlich sofort mit der jeweiligen Fotografie der Polizei gemeldet. Alle Kunstwerke werden von uns genaustens registriert. Das Gleiche geschieht auch bei Vandalismus. Unwillentliche Beschädigungen durch den Spital-Betrieb sind versichert. Eine entsprechende Meldung bei uns ist Ehrensache.

Silas Kreienbühl:

Weiter werden wir vom KKLB-Team mehrmals pro Woche vor Ort sein und unser immer grösser werdendes Kunst-Projekt pflegen und vermitteln.